Winziger Waldpilz inmitten von Moos

MBSR

Was ist MBSR?

MBSR ist ein achtwöchiges Kursprogramm, das auf Achtsamkeit und Meditation beruht. Zahlreiche Forschungsarbeiten und Metastudien belegen die Wirksamkeit des MBSR-Trainings – etwa bei Konzentrationsstörungen, chronischen Schmerzen, Schlafproblemen, Niedergeschlagenheit, depressiven oder angstvollen Verstimmungen. Es dient der mentalen Gesundheit und reduziert nachweislich Stress, indem es das vegetative Nervensystem reguliert. MBSR stärkt die Resilienz und das körpereigene Immunsystem.

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Meditation plus Wissenschaft

MBSR steht für Mindfulness-Based Stress Reduction und lässt sich mit Stressbewältigung durch Achtsamkeit übersetzen. Die Haltung der Achtsamkeit basiert auf einer über 2.500 Jahre alten Weisheitstradition. Das achtwöchige Gruppenprogramm lehrt klassische Sitz- und Körpermeditationen, in stiller als auch sanft bewegter Form, und vermittelt alltagstaugliches Wissen (etwa zur Stresstheorie). Es zielt auf Stressreduktion, fördert die situative Selbstregulierung, unterstützt insgesamt die geistige und körperliche Gesundheit.

Das MBSR-Programm wird seit fast 50 Jahren wissenschaftlich begleitet. Zahlreiche Studien belegen seine Wirksamkeit z.B. bei Konzentrationsstörungen, chronischen Schmerzen, nervöser Verspannung und damit verbundenen Erkrankungen, zwanghaftem Grübeln, depressiven oder angstvollen Verstimmungen. Als Selbsthilfe-Methode wird das religionsfreie Geistestraining heute in zahllosen Gesundheitseinrichtungen, Unternehmen oder Bildungseinrichtungen weltweit gelehrt.

Eine attraktive Blondine sitzt in ihrem lichtdurchfluteten Zimmer in Meditationshaltung mit geschlossenen Augen

Häufige Fragen zu Beginn:

An wen richtet sich das MBSR-Programm?

MBSR richtet sich an alle Menschen, die ihr – emotionales – Stressverhalten nachhaltig verbessern möchten und damit auch ihre Lebensqualität. Viele Teilnehmer klagen über stressbedingte Erkrankungen: Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Migräne oder Spannungskopfschmerz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Bluthochdruck), Konzentrationsstörungen oder ständige Nervosität. Außerdem hat sich das Training als wertvoll im – unterstützenden – Umgang mit Ängsten gezeigt, mit Depressionen, Burnout, bei zwanghaften Grübeleien und negativem Gedankenkreisen, allgemeiner Erschöpfung, Suchtverhalten und chronischen Schmerzerkrankungen.

Zudem hat sich MBSR als effektiver Therapie-Begleiter erwiesen, etwa bei der Behandlung von Schuppenflechte und Fibromyalgie. Patienten, die mit schwerwiegenden chronischen Erkrankungen oder Krebs umgehen müssen, finden in ihm eine wertvolle Stütze. Ursprünglich wurde das Programm im Klinikbereich für austherapierte Schmerzpatienten entwickelt. MBSR sollte ihnen einen lebenswerten Weg eröffnen, mit ihrer chronisch stressvollen Lebenssituation umzugehen. Infolge des großen Erfolgs von MBSR und seiner hohen Evidenz vergrößerte sich die Teilnehmerschaft in den letzten 50 Jahren erheblich. So gehören heute Schüler, die mit alltäglichem Leistungsdruck zurechtkommen müssen, ebenso dazu wie Führungskräfte auf der Suche nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance.

Aus wie vielen Terminen besteht ein Kurs?

Ein MBSR-Kurs besteht aus folgenden Terminen:

  1. Ein persönliches Einzelgespräch vor Kursbeginn (per Video oder telefonisch)
  2. Acht Gruppentermine im wöchentlichen Abstand (2,5 Stunden)
  3. Ein gemeinsamer Tag der Achtsamkeit (6 Stunden)
  4. Ein persönliches Abschlussgespräch (per Video oder telefonisch)

Die Teilnahme am Tag der Achtsamkeit ist der Höhepunkt des Kurses. An ihm werden die verschiedenen, bis dahin erlernten Meditationen praktiziert und in der Stille vertieft. Der Tag der Achtsamkeit findet im Schweigen statt.

Welche Inhalte werden vermittelt?

Neben Kurzvorträgen und gemeinsamen Reflexionen in der Gruppe (etwa zu Themen wie Stressdynamiken oder Selbstfürsorge im Alltag) lehrt ein MBSR-Kurs bewährte Achtsamkeitspraktiken. Jeder Teilnehmer erhält so die Möglichkeit, sich selbst auszuprobieren und die Meditationsform zu entdecken, die zu ihm und seinem Leben passt – auch über den eigentlichen Kurs hinaus. Im MBSR werden praktiziert:

  1. Body-Scan
  2. Atemmeditation
  3. Sitzmeditation
  4. Hatha-Yoga
  5. Gehmeditation
  6. Metta-Meditation

Nicht zuletzt gehört die gemeinsame Gruppenerfahrung und der Austausch untereinander ins MBSR-Training, das sich im Kern als Selbsthilfe-Programm versteht. Um es mit einem alten Songtitel zu sagen: You’ll never walk alone. Dies am eigenen Leibe zu erleben, sich unter Seinesgleichen zu wissen, geschützt und doch mit allen Unzulänglichkeiten, die uns Menschen doch nur zum Menschen machen, gehört zu dem stärksten unterstützenden Kräften, die wir als soziale Lebewesen haben können.

Wie wird MBSR zu Hause praktiziert?

Achtsamkeit will in den Alltag und deshalb gehört zur Kursteilnahme auch das regelmäßige Üben daheim. Über eine Cloud (online und zum Download) stehen hierfür vielseitige Begleitmaterialien zur Verfügung, vor allem geführte Sitz- und Körpermeditationen als Video- oder Audiotrack. Sie entsprechen genau den Meditationen, die zuvor im Kurs gemeinsam praktiziert wurden.

Empfehlenswert ist eine tägliche Praxiszeit von 30 bis 45 Minuten, wobei die positiven Effekte der Übung durchaus motivierend wirken. Je nach Lebensumständen, etwa wenn kleine Kinder im Haus sind, muss der mögliche Zeitraum angepasst werden. Mehr hierzu gerne im persönlichen Gespräch.

MBSR-Gründer

Der Gründer von MBSR

Dr. Jon Kabat-Zinn entwickelte 1979 das MBSR-Programm. Der heute emeritierte Professor der University of Massachusetts Medical School und Gründer der renommierten Stress Reduction Clinic suchte nach einem mentalen Trainingsprogramm für die Schmerzpatienten seiner Klinik, die als austherapiert galten. Er wollte ihnen einen lebenswerten Weg eröffnen, mit ihrem chronisch stressvollen Dasein umzugehen. So entstand MBSR.

Der amerikanische Molekularbiologe, Autor und Meditationslehrer gilt als Pionier der weltweiten Achtsamkeitsbewegung, sein Buch Gesund durch Meditation gilt als Grundlagenwerk. Als angesehener Wissenschaftler arbeitet er mit am Mind and Life Institute, das der Dalai Lama begründete. Dessen Ziel ist es, den Dialog zwischen Wissenschaft und kontemplativen Traditionen – wie dem Buddhismus – zu fördern, um so den menschlichen Geist und das Bewusstsein besser verstehen zu lernen.

Weitergehende Fragen:

Welche Wirkungsweisen sind wissenschaftlich belegt?

MBSR besitzt einen gesundheitsfördernden und präventiven Charakter. Es schafft einen Zugang zu den persönlichen Ressourcen und steigert so die Resilienz. Das Programm stärkt nachweislich das Immunsystems, es entlastet das vegetative Nervensystem und dient zum Beispiel der Prophylaxe von Burnout und Depression. MBSR hilft chronischen Schmerzpatienten und gilt z.B. im medizinischen Kontext als Präventionsmaßnahme der gesetzlichen Krankenkassen.

Darüber hinaus sind die Einsatzgebiete von MBSR vielfältig. In fünf Jahrzehnten entstanden weltweit zahlreiche wissenschaftliche, interdisziplinär aufgesetzte Studien in Medizin, Neurowissenschaft, Pädagogik, Psychologie und Wirtschaftspsychologie. Detaillierte Informationen hierzu bietet der deutsche MBSR-MBCT-Verband. Zudem empfiehlt sich das Buch Gesund durch Meditation von Jon Kabat-Zinn.

Wie nachhaltig wirkt ein MBSR-Kurs?

Zu dieser Frage gibt es mehrere Studien, die letztlich alle nachhaltige Effekte nachweisen. Eine aktuelle Forschungsarbeit entstand beispielsweise 2024 an der Universität Bielefeld mit 192 ehemaligen MBSR-Kursteilnehmern. Diese gaben an, dass die unmittelbar positiven Effekte des MBSR-Kurses (wie Stressreduktion, gesteigerte Konzentration und Wohlbefinden) über rund vier Jahre anhielten. Wobei 74 Prozent von ihnen die erlernten Achtsamkeitsübungen über diesen Zeitraum auch weitergeführt hatten. Diese Fortsetzung korrelierte positiv mit Wohlbefinden, Achtsamkeit und Stressreduktion, wobei häufigeres Üben stärkere Effekte zeigte. Vor allem die entspannende Wirkung der Achtsamkeit motivierte die ehemaligen Teilnehmer zum Weitermachen.

Was unterscheidet MBSR von anderen Entspannungsmethoden?

Genau genommen dient das MBSR nicht der Entspannung – wobei sich diese beim Meditieren durchaus einzustellen vermag, aber mehr als Begleiterscheinung. Das Programm gehört, medizinisch oder psychotherapeutisch betrachtet, zu den achtsamkeitsbasierten Interventionen. Als solche führt es nicht auf die einsame Insel, sondern mitten in den Alltag. Genau dorthin, wo schmerzhafte oder stressvolle Situationen, Gefühle, Gedankenkonstrukte oder Körperempfindungen erlebt werden. Wie kann ich ihnen begegnen? Wie bleibe ich geistesgegenwärtig, kompetent und sicher aufgehoben in mir selbst? Auf diese Fragen eine ganz persönliche Antwort zu finden, mehr noch: diese selbst zu erfahren, darum dreht sich das MBSR-Training. Es geht in diesen acht Wochen um nicht weniger als um die Schulung des eigenen Geistes und damit um eine freiere Lebensgestaltung. Und vielleicht findet sich genau darin dann auch die Entspannung.

Was versteht man eigentlich unter Achtsamkeit?

Ein zentraler Begriff im MBSR ist der der Achtsamkeit (Mindfulness). Er stammt ursprünglich aus der buddhistischen Lebensphilosophie, die vor 2.500 entstand und eine umfangreiche Meditationspraxis und Geistesschulung hervorbrachte. Achtsamkeit beschreibt einen freundlichen, annehmenden Bewusstseinszustand, der sich im gegenwärtigen Augenblick verankert und sich von dort aus dem Geschehen öffnet. Als Achtsamkeitstraining stärkt MBSR die persönlichen Kompetenzen zur Selbstregulierung und Impulskontrolle, wodurch beispielsweise der Ausstieg aus automatisierten, oftmals überwältigenden Stressreaktionen erst möglich wird.

Wann ist von einer Kursteilnahme abzuraten?

Ein persönliches Einzelgespräch vor Kursbeginn ist für alle Teilnehmer obligatorisch. Grundsätzlich sollte wer unter schweren psychologischen Erkrankungen (z.B. Schizophrenie, Borderline-Störung) leidet oder zu Psychosen neigt, nicht an einem MBSR-Kurs teilnehmen.

Auch in akuten Phasen von Suchterkrankungen oder Depressionen ist davon abzuraten, ebenso während körperlich sehr belastenden medizinischen Behandlungen, im Zentrum von Lebenskrisen oder Trauerphasen. Wenn sich aber das Selbst und damit der persönliche Zustand – etwa durch die Unterstützung eines Psychotherapeuten -, wieder stabilisiert haben, kann MBSR sehr hilfreich sein. Ein abklärendes Gespräch mit dem behandelnden Arzt wird in diesen Fällen empfohlen.

Ist der MBSR-Kurs körperlich anstrengend?

Dem Körper – und dem freundlichen Umgang mit ihm – kommt im MBSR eine bedeutsame, den Geist stabilisierende Rolle zu. Es muss niemand sportlich oder besonders beweglich sein, um am Kurs teilzunehmen; immerhin waren chronische Schmerzpatienten die ersten, die MBSR praktiziert haben. Auch Vorkenntnisse im im Hatha-Yoga, das an einem Kursabend als bewegte Körpermeditation praktiziert wird, sind nicht notwendig. Alle Übungen sind für Anfänger ausgelegt. Sie werden langsam und in einer achtsamen Haltung vollzogen. Mehr dazu hier.